Freitag, 18. März 2011
Hügelgräberwanderung in Kleinwallstadt
Am Samstag, den 12.März 2011 luden der Heimat- und Museumsverein Elsenfeld, sowie der Heimat- und Geschichtsverein Kleinwallstadt zu einer überaus interessanten Wanderung ein. Der Archäologe Dr. Ralf Obst vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, sowie der Hobbyforscher Oliver Avemarie führten die Wandergruppe durch die Kleinwallstädter Waldabteilungen und zeigten den Teilnehmern verschiedene vorchristliche Hügelgräber.
Unter runden Aufschüttungen aus Erde oder Steinen haben dort die früheren Bewohner unserer Heimat ihre Toten bestattet. Die Grabhügel wurden über Brand- oder Körperbestattungen, hauptsächlich während der mittleren und späten Bronzezeit (1600-1200 v. Chr.) und der frühen Eisenzeit (750-500 v. Chr.) angelegt. Diese Bestattungen besaßen meist keine sichtbare Kennzeichnung und sind daher heute im Gelände kaum sichtbar. Der Wald bedeckte und bewahrte die bronzezeitlichen Grabhügel für drei Jahrtausende.
Große Grabhügel, die gut sichtbar sind, bilden auch bei uns oft Anziehungspunkte für Raubgräber und Sondengänger. Illegale Ausgrabungen finden besonders in den Waldgebieten statt. Von den Raubgräbern werden dabei häufig Grabhügel aufgesucht und unwiederbringlich zerstört. Meist wird auf dem höchsten Punkt ein Loch ausgehoben und dieses bis auf das Niveau der Bestattung nach unten getrieben. Dort werden Schmuck und Grabbeigaben aus Metall, sowie Reste von Gefäßen, Wägen oder Keramiken erwartet. Besonders große Hügel, die noch keine Spuren ehemaliger Ausgrabungen aufweisen, sind gefährdet. Die geraubten Stücke sind bei Sammlern begehrt und erzielen im illegalen Kunsthandel z.T. hohe Preise.
Bei der Wanderung vom Samstag konnte die Wandergruppe einen kürzlich geplünderten Grabhügel entdecken. Der Grabräuber hatte noch ein Drahtgitter und Laub über der Öffnung angebracht um den Grabungstrichter unerkannt bleiben zu lassen. Ziel der Grabhügelbegehung war, die Geschichtsvereine in Elsenfeld und Kleinwallstadt über die große Anzahl an Hügelgräber informieren und sie für den Erhalt zu sensibilisieren.
Die Teilnehmer der Hügelgrab- Wanderung unter der Leitung von Oliver Avemarie und Dr. Ralf Obst (Bildmitte)
Der geplünderte Grabhügel wurde mit einem Drahtgitter und Laub getarnt
Am Ende der über zweistündigen Wanderung regte man an, ehrenamtliche Hügelgrab - Paten zu finden. Diese sollen dann die Sicherung der Hügelgräber übernehmen und sie vor fremden Zugriffen und Beraubung schützen! Diese Paten bekommen dann eine eingehende Einweisung und detaillierte Kenntnisse der Örtlichkeiten. Aber auch Spaziergänger und Jogger sollten in Zukunft ein wenig aufmerksamer durch unseren Wald gehen und bei verdächtigen Wahrnehmungen übers Mobiltelefon die Polizei, die Geschichtsvereine oder die Gemeindeverwaltungen verständigen. Nur so kann verhindert werden, dass wir unserer Kulturdenkmäler nicht beraubt werden.
Wer sich für eine Hügelgrab - Patenschaft interessiert kann sich mit einem der Geschichtsvereinen von Elsenfeld (1. Vors. Stefan Weigand, Tel. 06022 8488) oder Kleinwallstadt (1. Vors. Klaus Reinthaler, Tel. 06022 2948) in Verbindung setzen. Es wird dann in einigen Wochen eine erneute Wanderung mit den interessierten Personen geben.
Stefan Weigand
