Freitag, 18. März 2011
Elsenfelder Rundschau, Freitag, 25.Juni 2010

Das Sühne- oder Pestkreuz trägt keine Jahreszahl und sein wahrer Aufstellungsgrund wird wohl immer im Dunkeln der Geschichte verborgen bleiben. Man kann aber davon ausgehen, dass es im Zusammenhang mit einem schrecklichen Ereignis errichtet wurde. Vergleichbare Kreuze stammen aus dem 15. bis 17. Jhd. Auch die Mariensäule trägt keine Jahreszahl. In der Ortsmitte von Streit steht aber eine fast identische Säule mit der eingeschlagenen Jahreszahl 1626. Diese Entstehungszeit wird wohl auch ungefähr auf diesen Rücker Bildstock zutreffen. In dieser Epoche war in Deutschland zwar schon der 30 jährige Krieg ausgebrochen (1618), aber am Untermain ging es bis 1631 relativ ruhig zu. Doch es war die Ruhe vor dem Sturm. Nach den Bauernkriegen von 1524/25 lebte man sogar in einer Art sozialem und finanziellem Aufschwung. Es fand eine enorme Bautätigkeit statt. Unter anderem wurde damals gebaut: Die Centgrafenkapelle in Bürgstadt, das Kloster Engelberg sowie die Rathäuser von Bürgstadt, Wörth und Großheubach. Durch den Wohlstand gab es auch viel Neid und Missgunst. So war von 1570 bis 1620 der Höhepunkt der Hexenverfolgung. In Bürgstadt gab es 47 Hinrichtungen, in Miltenberg wurden an der Stadtmauer 12 Hexengefängnisse gebaut.
In jener Zeit stiftete also ein Rücker Bürger mit Namen „Hans Sumerbeck für sich und seine Vorfahren dieses Bild um Gott zu loben und zu ehren“. (Lt. Inschrift). Ob er und seine Familie die anschließenden Kriegshandlungen überlebt haben? Wir wissen es
nicht. Wir wissen aber, dass der 30jährige Krieg in unserem Landkreis mit seinen Kriegshandlungen, seinem Mangel an Nahrungsmitteln, extrem harten Wintern und der um sich greifenden Pest derart hauste, dass 75%(!) der Bevölkerung verstarb. In Eschau berichtete man: „die Kirchen sind für die Leichen zu klein, denn die Pest begnügt sich nicht mit einzelnen Opfern, sondern rafft ganze Haushaltungen dahin!" Es wurden große Gruben gegraben und am selben Tag noch wurden die Leichen, Alt und Jung ohne Sarg und Kreuz, ohne Sang und Klang zusammen eingescharrt. Vom Herrn zu Fechenbach wird erzählt, dass er täglich die Schornsteine zählte, die noch rauchten. Mit jedem Tag wurden sie weniger und am Ende der Pest rauchten in Sommerau gar nur noch drei!
In Rück fand man beim Neubau des angrenzenden Hauses größere Mengen Menschenknochen, was auf ein mit der Pest in Zusammenhang stehendes Massengrab hindeuten könnte.
Ganze Ortschaften wüst Viele Ortschaften wurden auch nach dieser Zeit nicht mehr besiedelt. So wie z. B. Mainhausen (zwischen Elsenfeld und Erlenbach, schon ca. 1580 verlassen), Oberschippach (zwischen (Unter-) Schippach und Mechenhard, nach dem 30jährigen Krieg lange wüst, dann im 18. Jhd. neubesiedelt und ca. 1730 verlassen), Kinzbach (zwischen Roßbach und Sommerau, 1666 verlassen), usw…
Was uns bleibt ist ein Marienbildstock der die damaligen Geschehnisse bezeugt und uns mahnt. - Gerade auch jetzt, wenn wir glauben, wir wären in einer tiefen wirtschaftlichen Krise und den Fokus auf die historische Realität ein wenig verloren haben. Jeder, der sich mit Geschichte ein wenig befasst, weiß, dass es nur wenige Epochen in der Vergangenheit gab, in denen es über einen Zeitraum von drei Generationen keinen Krieg gab und der Wohlstand so groß war!
Der Heimat- und Museumsverein Elsenfeld hat die Pieta des Bildstocks von dem Steinmetzmeister Ralf Erben aus Mönchberg nach einer alten Originalvorlage authentisch ergänzen lassen und brachte Erläuterungstafeln an den Bildstöcken an. Die Restaurierung der beiden Bildstöcke und die Befestigung des, bei Grabungsarbeiten gefundenen, alten Mahlsteines kosteten € 5.400,-- und wurden zusammen vom Amt für ländliche Entwicklung, der Kulturstiftung des Bezirks Unterfrankens und dem Markt Elsenfeld finanziert.
Stefan Weigand
Aus dem Abseits nach Vorne!
Elsenfeld, Ortsdurchfahrt Rück Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms Rück-Schippach wurde das Erscheinungsbild des alten Ortskerns wesentlich verschönert. Der Heimat- und Museumsverein Elsenfeld nahm dies zum Anlass, zwei alte Bildstöcke aus dem Abseits der Vergessenheit wieder in den Blickpunkt der Ortsbevölkerung zu rücken. Bis zum Herbst letzten Jahres waren die beiden Bildstöcke mit Gestrüpp überwuchert und kaum noch zu erkennen. Jetzt sind sie vom Steinmetzmeister Gradwohl aus Mömlingen restauriert worden und zieren wieder als Schmuckstücke die Ortsdurchfahrt Rücks. - Wenn sie doch nur ein wenig aus ihrer Vergangenheit erzählen könnten!

