Mittwoch, 24. März 2010
Main-Echo vom 2.4.90
130 Exemplare am Originalschauplatz:
Museumsscheune in Elsenfeld eröffnet
Elsenfeld. Wo sonst wäre landwirtschaftliches Gerät zur Veranschaulichung frühere Arbeitsmethoden besser aufgehoben als in einer Scheune?
Der Heimat- und Museumsverein Elsenfeld hat, wenn man so will, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
Die Scheune ist Originalschauplatz - nicht Unterstellhalle oder Museumsraum - Museumsscheune.
Als Museum darf sie deshalb schon bezeichnet werden, weil bäuerliche Gerätschaften ausgestellt werden, die sogar mancher Erwachsene nicht mehr kennt, sagte der Vorsitzende des Vereins, Manfred Otter, am Freitag abend während der Eröffnung. Bürgermeister Franz Fischer hatte Worte des Lobes für den Verein, der in seinem erst zehnjährigen Bestehen schon Geschichte geschrieben habe.
Der Heimat- und Museumsverein sei kein Verein der großen Worte, sondern der Taten. Der Abriss der Scheune die der Markt angekauft hat, sei nun passé. Viel mehr noch; sie stehe jetzt unter Denkmalschutz. Ehrenvorsitzender und Gründer Josef Heichele sprach von einem arbeitsreichen und sorgenvollen Werdegang. Man habe lange sammeln und zahlreiche Umzüge mit den 130 Exponaten in Kauf nehmen müssen. Er sieht in der Scheune die Dokumentation eines bäuerlichen Dorfes, wie es Elsenfeld einmal gewesen sei. Die Scheune erhalte um so mehr Gewicht, da der Markt immer mehr und immer schneller städtische Züge annehme. Die bäuerliche Kultur verfalle zusehends, und die vorrangige Aufgabe des Museums sei nicht, Erinnerungen zu wecken, sondern die alte Kultur zu vergegenwärtigen.
Die rege Aktivität des Vereins setzte sich schon am Samstag fort: Probebacken in Rück stand an, sozusagen als Richtfest mit den »Kühgäßlern«. Der Backofen wird am 13. Mai mit einem Dorffest eingeweiht. Am 8.April steht die Museumsscheune erstmals der Öffentlichkeit zur Verfügung. Gleichzeitig ist dann eine Sonderausstellung im Heimatmuseum mit »Raritäten aus alter Zeit«.
