Mittwoch, 24. März 2010
März 1990, Sonderdruck, Elsenfelder Rundschau
Grußwort zum 10-jährigen Bestehen
des Heimatmuseums
Vor nunmehr 10 Jahren, im März 1980, wurde das Elsenfelder Heimatmuseum feierlich eröffnet. In einem Sonderdruck der Elsenfelder Rundschau wurden von der Marktverwaltung die Ziele dieser Einrichtung und die Aufgabenstellung des Museumsvereins dargestellt und vom damaligen l. Vorsitzenden Gedanken zur Eröffnung unseres Heimatmuseums aufgezeigt.
Nach nunmehr 10 Jahren kann uneingeschränkt festgestellt werden, dass die in das Heimatmuseum gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt wurden. Dies bestätigen auch die Besuchergruppen aus nah und fern.
Der Wunsch, unser Museum mit Leben zu erfüllen wurde durch die vielfältigen Aktivitäten innerhalb des Hauses, wozu auch Sonderausstellungen gehören, erfüllt und dies von annähernd 25.000 Besuchern bestätigt.
Die Verantwortlichen des Heimat- und Museumsvereins haben sich darüber hinaus zusätzliche Aufgabengebiete, wie Erhaltung der Flurdenkmale und Bildstöcke in unseren Gemarkungen, gestellt und zielstrebig erfüllt
Höhepunkte im Jubiläumsjahr sind sicherlich die öffentliche Vorstellung der insbesondere mit landwirtschaftlichen Großgeräten zum Museum ausgestatteten Dorfscheune in der Rathausstraße sowie die Fertigstellung des neu aufgestellten alten Backofens oberhalb der Sparkasse in Rück.
Allen Mitgliedern des Heimat- und Museumsvereins, an der Spitze Ehrenvorsitzender Josef Heichele und 1. Vorsitzender Manfred Otter, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit in vielen Stunden diese Erfolge ermöglichen sei namens des Marktes Elsenfeld ein herzliches Wort des Dankes und der Anerkennung gesagt.
Dem Verein wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der Bewältigung der gesteckten Ziele und Aufgaben.
Möge unsere Bevölkerung, insbesondere die Jugend, die gebotenen Möglichkeiten, Einblick in die Geschichte unserer Heimatgemeinde zu nehmen, nutzen und anerkennen.
Franz Fischer
1. Bürgermeister
Vor 10 Jahren, am 27. März 1980, wurde das Heimatmuseum Elsenfeld mit einer Feierstunde offiziell eröffnet und zur allgemeinen Besichtigung freigegeben. Aus Anlass dieses denkwürdigen Jubiläums sei hier nochmals in kurzen Abrissen die Entstehungsgeschichte dieser Elsenfelder der Kulturstätte aufgezeichnet.
Es sind mehrere glückliche Umstände, denen dieses ehemalige bäuerliche Anwesen seine Erhaltung verdankt. Die Altstadtsanierung nach dem Städtebauförderungsgesetz schuf die Möglichkeit, dieses ehemalige "Haus Wamser bzw. Wolf" als Heimatmuseum umzugestalten und damit zu erhalten.
Lang und schwierig war der Weg der Planung und Wiederinstandsetzung dieses ältesten Fachwerkhauses von Elsenfeld (Erbauungsjahr 1751). Unvorhergesehene statische Probleme konnten aber gelöst und das Haus seiner Bestimmung zugeführt werden.
Eine Interessengemeinschaft "Heimatmuseum" wurde am 21. November 1978 ins Leben gerufen. Genau zwei Jahre danach entstand aus dieser Gemeinschaft am 25. November 1980 der Heimat- und Museumsverein.
Von 1978 bis zur Eröffnung des Museums im März 1980 haben fleißige Mitglieder, der sogenannte "Harte Kern" des Vereins, in unzähligen Arbeitsstunden Gegenstände gesammelt, gereinigt, repariert, abgebeizt und konserviert, so dass bei der Eröffnung sich das Museum mit 750 Gegenständen der Bevölkerung präsentieren konnte. Heute verfügt das Museum über die stattliche Zahl von über 4.600 Gegenständen; davon 1.100 im Magazin.
Von der Vorgeschichte Elsenfelds mit seinen Grabfunden aus der Hallstatt- und Bronzezeit (1250-450 vor Christus), über die Frühanfänge der menschlichen Siedlung "Elshofen", bis zum heutigen Industriezeitalter zeugen Gegenstände von der Arbeit und Lebenskultur unserer Vorfahren.
Kultur eines Volkes ist ja seine Lebensart, seine ganze soziale Struktur und was sich aus ihr ergibt. Komplette Werkzeugsammlungen von alten Handwerksberufen wie Küfer, Drechsler, Wagner, Pflasterer, Schmied, Brunnenbauer, Schwellensäger, Weber, Heimschneider, Hausmetzger, finden immer wieder großes Interesse bei den Besuchern.
Über 23.700 Besucher haben in diesen 10 Jahren ihr Interesse an diesem kleinen aber heimeligen Museum bekunden und sich ein "Bild" machen können von der Lebensweise früherer Generationen.
Viele Gegenstände haben trotz ihres geringen materiellen Wertes einen um so größeren historischen Wert.
Bei gründlicher Betrachtung der Ausstellungstücke erkennt der ernsthafte Besucher die beeindruckende Aussagekraft über die Bedürfnislosigkeit, den Fleiß früherer Generationen, welche aber doch zufriedene Bürger ihrer Heimat waren.
Ein Besuch im Heimatmuseum, von manchem Zeitgenossen als Unterhaltungssport getätigt, kann bei geistiger Aufgeschlossenheit durchaus zu einem lehrreichen, nachdenklichen Erlebnis und somit zum Gewinn des Besuchers werden. In diesen 10 Jahren des Bestehens des Heimatmuseums hat sich bewahrheitet, was bei der Eröffnung am 27. März 1980 der damalige 1. Vorsitzende gesagt hat: "Ein Museum überlebt die Geschlechter und wird im Gegensatz zu uns Menschen mit zunehmendem Alter immer wertvoller."
Es wäre ein Versäumnis unserer Generation gewesen hätten wir den Aufbau und die Einrichtung unseres Heimatmuseums vor 10 Jahren nicht vorgenommen.
Seit 1978 bis heute wurden über 5.5OO Stunden in freiwilligem Einsatz für dieses Ziel vom Verein geleistet. Fleißige Mitglieder arbeiten auch weiterhin unermüdlich in ihrer Freizeit für den weiteren Ausbau des Heimatmuseums und der Bewältigung vieler noch anstehender Erhaltungsmaßnahmen in diesem Bereich.
Es muss einer späteren Feierstunde vorbehalten bleiben, allen verdienstvollen Mitglieder des Vereins für ihren dauerhaften, selbstlosen, freiwilligen Arbeitseinsatz für das Heimatmuseum besonders zu danken.
Nicht unerwähnt soll bei dieser Rückschau auch die weitere Arbeit des Heimat- und Museumsvereins bleiben, da sie im ursächlichen Zusammenhang mit dem Museum steht. Die Erhaltung der Flurdenkmale, Bildstöcke, Feldkreuze, dem einmaligen Sarkophag an der Gertraudiskirche, das Röschgrab, die Aufstellung der wertvollsten Bausteine der geplanten Weltfriedenskirche in Schippach, die Erhaltung eines alten Backofens in Rück.
Nicht vergessen sei auch die verdienstvolle Sammeltätigkeit des Vereins von Mundartausdrücken, welche in einer kleinen Broschüre der Bevölkerung zur Kenntnis gegeben wurde.
Auch die zeitraubende Arbeit in der Beschaffung authentischer Unterlagen die zur Neuanfertigung von Gedenktafeln der Gefallenen und Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges in der Gertraudiskirche soll nicht unerwähnt bleiben.
Zur Zeit bereitet der Verein eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten der vergangenen Jahre vor. Es wird die kleinbäuerliche Vielfalt gezeigt, von der Saat bis zur Ernte, die Verwertung bäuerlicher Erzeugnisse für Mensch und Tier. Dieses bäuerliche Sachkulturgut stammt aus Elsenfeld bzw. dem Vorspessart aus der Zeit der Erstansiedlung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Der schnell fortschreitende Verfall der bäuerlichen Kultur unserer Heimat erfordert alles zu sammeln und zu erhalten was noch möglich ist.
Diese Ausstellung wird anlässlich der Museumsöffnung am 8. April 1990 in einer ausgebauten Scheune in der Rathausgasse gezeigt und dürfte sicherlich das Interesse vieler Besucher finden. Eine besondere Attraktion übt dabei in der neuen Ausstellung von landwirtschaftlichem Gerät der mit viel Mühe und Liebe restaurierte Schäferkarren. Er soll stets an den Haupterwerbszweig des einstigen Dammshofes mit seinen Schafherden erinnern.
Zum Schluss dieses Kurzberichtes sei für die verständnisvolle Unterstützung während der vergangenen 10 Jahre besonders Dank gesagt:
Otter Heichele
1. Vorsitzender Ehrenvorsitzender
